Hilferuf aus dem Stromnetz

In einem Stromnetz muss zu jedem Zeitpunkt genau so viel Strom entnommen bzw. verbraucht (Last) werden, wie eingespeist bzw. erzeugt wird.

Datum:

02.09.2019

Lesezeit:

2 min

Text:

Moritz Fehlow, Energiewirtschaft und Ladeinfrastruktur eeMobility

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Cassie Boca on Unsplash.com
  • Warum Strompreise steigen oder sinken
  • Was ist bidirektionales Laden

Wie in „Elektromobilität: Wie lädt man intelligent?“ beschrieben, entwickeln wir uns jetzt in Richtung einer „erzeugungsorientierten“ Stromlandschaft. Wenn Wind und Sonne viel Strom produzieren, muss zwangsläufig auch viel Strom verbraucht werden. Wird zu wenig Strom verbraucht, können die Strompreise an der Börse, ähnlich der in Frankfurt, extrem sinken. Da der Strom unbedingt abgenommen werden muss, kann dieser Anreiz sogar zu positiven Preisen führen – ein Hilferuf aus dem Stromnetz.

Auch anders herum existiert dieser Preiseffekt. Das heißt, in Zeiten hoher Nachfrage und geringer Erzeugung steigen die Strompreise erheblich an. Akut kann man in solchen Situationen die Last oder die Erzeugung regulieren sowie Strom aus dem betroffenen Netzgebiet ab- oder ihn dorthin transportieren.

 

Wechselseitige Beziehung von Windenergie und Strompreis (Quelle: eeMobility)

 

Elektromobilität zur richtigen Zeit

Elektromobilität wird dank eeMobility zur flexiblen Last – über ganz Deutschland verteilt. Die Zukunft hält dazu noch das bidirektionale Laden bereit: Beim sogenannten Vehicle-to-Grid (V2G) kann Strom aus der Fahrzeugbatterie entnommen und ins Stromnetz rückgespeist werden*. Wenn nun Windkraftanlagen oder PV-Anlagen nicht abgeschaltet oder zumindest runtergeregelt werden müssen, sondern deren Strom einen flexiblen Abnehmer findet, erhöht das den Anteil der erneuerbaren Energien im Stromverbrauch.

Strom sinnvoll abnehmen und bereitstellen

Das bedeutet gleichzeitig, dass diese Strommengen nicht zu einem späteren Zeitpunkt mit potenziell weniger EE**-Produktion bereitstehen müssen. Denn dann kommt der Strom möglicherweise wieder aus Kohle, Gas oder Atomkraft – und der Energiewende ist kein Stück geholfen. Ein weiterer Vorteil ist die regionale Verteilung der vielen einzelnen Elektroautos. Wo viel Strom lokal verbraucht oder durch V2G kompensiert werden kann, da muss auch kein Strom aus übergeordneten Netzen (Mittel- und Hochspannungsnetz) hin- oder wegtransportiert werden. 

Strom sinnvoll flexibel abzunehmen bzw. spontan bereitzustellen sind also wertvolle Eigenschaften, die in Zukunft immer gefragter sein werden. Sie fördern die Integration erneuerbarer Energien und können die Notwendigkeit des überregionalen Netzausbaus reduzieren – wovon nicht nur die Umwelt, sondern auch die Gesellschaft profitiert!

* Diese Technologie existiert bereits, ist jedoch noch nicht weit verbreitet und demnach noch keine Option für eine breite Anwendung. Es existieren nur wenig kompatible Fahrzeuge und auch das Angebot an Ladeinfrastruktur ist sehr begrenzt. Kommerziell verfügbar ist das System nur für den Steckertyp Chademo.

** erneuerbare Energien