Was macht uns glücklich?

Warum wir aufräumen. Am Jahresende ist es Zeit, Bilanz zu ziehen und es stellt sich die Frage, was von 2019 bleiben wird, wenn wir in einigen Jahren darauf zurückblicken.

Datum:

20.12.2019

Lesezeit:

2 min

Text:

Daniel Wiechmann für eeMobility GmbH

Foto:

Tyler Nix on Unsplash

Wer genau hinschaut, wem es gelingt, sich vom Krakeelen und der Dauerempörung und -erregung in der medialen Offline- und Online-Welt nicht ablenken zu lassen, entdeckt einen spannenden Trend, der dieses sonst eher unscheinbare Jahr geprägt hat: die Sehnsucht nach Ordnung – sowohl im Inneren, als auch im Äußeren.

Der Drang aufzuräumen

Das Leben in einer zunehmend vernetzen Welt, in der von alle Seiten Nachrichten, Geschichten, Informationen, Wissen, Unterhaltung und Ablenkung auf uns einprasseln, fühlt sich zunehmend chaotisch an. Und je größer man das Chaos um sich herum empfindet, desto stärker wird der Drang aufzuräumen. Das Innere durch Achtsamkeit, Meditation oder Digital Detox. Das Äußere mit der Marie- Kondo-Methode oder in dem man sich die Sinnfrage stellt: Was brauchen wir wirklich zum Leben? Was macht uns wirklich glücklich?

Das Streben nach Glück

Es ist genau diese Frage, die auch der israelische Historiker Yuval Noah Harari am Ende seines bemerkenswerten Buches Eine kurze Geschichte der Menschheit dem Leser stellt. Er zeichnet in seinem Bestseller nicht nur pointiert und akribisch der Werdegang der menschlichen Kultur nach, sondern will eben auch wissen, welches Ziel die Entwicklung unserer Gesellschaft eigentlich hat?

Ist es das Streben nach Glück – „The Pursuit of Happiness“ – wie es auch in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung steht? Doch was macht uns glücklich? Lange Zeit etwa galt Wohlstand als ein wichtiger Indikator für Glück und Zufriedenheit. Und heute? Stellen wir fest, dass uns unser wachsender Wohlstand mitnichten nur glücklich macht, sondern dass er uns immer öfter an Grenzen oder gar ins Chaos, in die Unordnung führt.

Mobilität als Basis unseres Wohlstands

Das beste Beispiel dafür ist der Zustand unserer Mobilität. Längst können sich hierzulande immer mehr Menschen immer bessere und immer größere Autos leisten. Und tun das auch, wie die Zulassungszahlen für PKW zeigen. Fuhren 2010 etwa 42 Millionen PKW auf deutschen Straßen, sind es mittlerweile 48 Millionen. Sitzen in all diesen Autos also glückliche Menschen? Leider nein. Mittlerweile weiß man, dass Autofahrer im Berufsverkehr demselben Stressniveau ausgesetzt sind, wie Piloten in einem Kampfeinsatz.

2012 verbrachte ein Autofahrer durchschnittlich 36 Stunden im Stau. Nur drei Jahre später waren es bereits mehr als 80 Stunden. Mobilität wird heutzutage zunehmend als Belastung empfunden, denn nicht nur auf den Straßen herrscht Chaos, sondern auch im Öffentliche Nahverkehr. Dieses Empfinden wirkt umso schwerer, als das jeder weiß, dass Bewegung, eine reibungslos funktionierende Mobilität, die Basis unserer Gesellschaft und unseres Wohlstandes ist. Wir können nicht nicht mobil zu sein. Wenn unsere Mobilität daher nicht an ihrem eigenen Erfolg zugrunde gehen will, ist es höchste Zeit endlich aufzuräumen.

Damit alles wieder fließen kann

Doch wie räumt sein Leben oder gar eine Gesellschaft auf, wenn es einem bei der eigenen Wohnung oft genug schon so schwerfällt? Die wohl wichtigste Erkenntnis über das Aufräumen lautet: Es gelingt nur, indem wir Platz schaffen. Wer erfolgreich Ordnung schaffen will, muss sich von Altem trennen. Von alten Dingen, von alten Ideen, von alten Wertvorstellungen, von alten Gewohnheiten.

„Platz für das Glück schaffen“

Längst zeigt sich, dass immer mehr Menschen genau dazu bereit sind. Sie setzen auf Sharing statt auf Besitz. Sie beginnen sich Gedanken darüber zu machen, wie eine Gesellschaft aussehen kann, deren Wohlstand sich nicht aus dem rücksichtlosen Verbrauch von Ressourcen speist. Sie suchen nach einer neuen Ordnung, in der die Lebensadern unserer Gesellschaft nicht länger mit Müll verstopft sind. Sie suchen nach neuen Wegen, damit wieder alles fließen kann. Und sich auch für das Glück wieder ein Platz in ihrem Leben findet.

Ihnen eine besinnliche Weihnachtszeit, einen guten Rutsch ins neue Jahr und viel Erfolg beim Aufräumen!