Interview: Sommerurlaub mit E-Auto!

Wie fährt man eigentlich in den Sommerurlaub, wenn man Geschäftsführer von eeMobility ist? Wir nehmen an: mit dem E-Auto! Ein persönliches Sommerinterview mit einem der beiden Gründer: Robin Geisler.

Datum:

06.08.2019

Lesezeit:

6 min

Text:

Britta Kaltenbach von eeMobility

Foto:

Vlad Tchompalov on Unsplash.com
  • Seit 2014 im Urlaub mit Elektroauto unterwegs: Robin Geisler
  • Neue Perspektiven und ungewöhnliche Ladestopps

In vielen Bundesländern haben die Sommerferien längst begonnen. Seit einer Woche auch in Bayern. Wie fährst du in den Urlaub? Ich nehme an mit dem Elektroauto …

Tatsächlich fahren wir meistens mit dem Auto in den Sommerurlaub. Seit 2014 hatte ich einen Tesla Model S, seit Anfang dieses Jahres einen Tesla Model 3.

Wo warst du schon überall im Urlaub mit E-Auto?

Wir waren im Familienurlaub schon in Dänemark, Slowenien, Italien (hier vor allem in Südtirol und in der Toskana), Österreich, Schweiz … und natürlich auch in Deutschland.

Wo funktioniert es reibungslos?

Bisher hatte ich persönlich noch keine Probleme, rechtzeitig eine Ladesäule zu finden. Das Laden funktioniert zumindest in den Ländern, die ich bereist habe, ziemlich gut und es wird aufgrund des weiteren Ausbaus der Ladeinfrastruktur immer einfacher.

Robin Geisler, Geschäftsführer eeMobility, gibt Tipps für den Urlaub mit E-Auto; Foto: eeMobility

Welches Reiseland wäre eine Herausforderung in Bezug aufs Laden?

Der Südbalkan soll noch nicht so gut ausgebaut sein, was Lademöglichkeiten betrifft. Ich denke, eine Reise in die Türkei mit dem Elektroauto ist schon möglich, muss aber gut geplant sein. Für den Notfall sollte man ja sowieso immer das Notladekabel dabeihaben. Warum nicht ausprobieren?

Kannst du uns erklären, was ein Notladekabel ist? Man sollte doch eigentlich nicht an einer Haushaltssteckdose laden.

Das Notladekabel habe ich immer im Kofferraum dabei. Damit könnte man auch über eine normale Haushaltssteckdose laden, wovon sonst abgeraten wird. Das Notfallkabel lädt nur so intensiv, wie die Leitungen es zulassen. Es dauert aber sehr, sehr lange, den Akku vollzuladen. Also je nach Modell bis zu 50 Stunden von leer zu voll. Daher ist es auch wirklich nur für den Notfall sinnvoll. Ich habe es bisher noch nicht gebraucht.

Muss man eine Urlaubsreise mit E-Auto mehr planen?

Wenn man eine längere Urlaubsreise mit dem E-Auto plant, schaut man sich natürlich vorher an, wo man unterwegs laden könnte. Mit unserer eeMobility-App habe ich einen guten Überblick über die Ladestationen auf dem Reiseweg. Ich persönlich plane meine Reisen auch mittels „Destination Charging“.

Was genau ist Destination Charging?

Tesla bietet „Destination Charging„-Standorte an. In Kooperation werden Hotels, Restaurants und Einkaufszentren angezeigt, die dem Fahrer während des Aufenthalts für ein paar Stunden oder über Nacht Lademöglichkeiten anbieten. Ich finde, es ist ein nettes Kriterium, mit dem schon eine gute Vorauswahl getroffen wird. Und auch sonst kann man seine Reise ja so planen, dass man einen Zwischenstopp einlegt. Sich also einen schönen und/oder praktischen Ort aussucht und eine Nacht dort verbringt, während das Auto lädt.

Wo kann man sich informieren?

Einfach im Internet. Ich empfehle auch, direkt im Hotel, das man ausgewählt hat, nachzufragen, ob eine Lademöglichkeit vorhanden ist. So zeigt man, dass ein Bedarf besteht. Falls der Betreiber des Hotels oder Pension noch keine Ladesäule hat, wird er es sich vielleicht überlegen.

Oder man sucht sich gezielt die Unterkünfte aus, die Lademöglichkeiten haben. Ich habe festgestellt, dass viele Unterkünfte mit Lademöglichkeit sich auch gesamt viel Mühe geben und z.B. auch mit der Einrichtung innovativ sind. Für Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen wird es in Zukunft ein wichtiger Service werden und für viele Gäste ein Auswahlkriterium, ob eine Lademöglichkeit vorhanden ist oder nicht.

„Vielleicht ein Zwischen­stopp in Pisa?“

Machst du mehr Pausen, als wenn du einen Verbrenner hättest?

Eigentlich nicht. Wenn wir eine lange Urlaubsreise mit drei kleinen Kindern mit zehn oder zwölf Stunden Fahrt vor uns haben, plane ich sowieso eine Übernachtung zum Autovollladen mit ein. Einmal, damit wir uns ausruhen können und dann auch, weil man sich unterwegs noch einen Ort oder eine Sehenswürdigkeit anschauen kann. Vielleicht ein Stopp in Pisa auf dem Weg nach Süditalien?

Und wenn man in einem Rutsch durchfahren möchte ohne Übernachtung?

Dann bietet sich der Schnelllader an. Also eine halbe Stunde Pause kann man sich doch wirklich gönnen alle 300 Kilometer. Ich schaue mir vorher die Strecke an. Das macht man ja sowieso, bevor man in den Urlaub fährt. Aber zusätzlich überlege ich mir, welchen Rastplatz ich auf der Strecke anfahre, das macht man mit einem Verbrenner nicht unbedingt. Aber meine Familie kennt es so, auch für die Kinder ist es ganz normal. Der Vorteil ist natürlich, dass wir regelmäßige Pausen machen und das Fahren dadurch weitaus entspannter ist. Oder man lädt während des Shoppings, zum Beispiel im Ingolstadt Village oder anderen Malls.

Habt ihr bei den Ladepausen schon mal etwas Besonderes entdeckt?

Auf dem Weg nach Berlin habe ich, da es praktisch lag, die Schnellladestation Beelitz-Heilstätten ausgesucht. Für Berliner bestimmt bekannt, wir hatten bisher noch nichts davon gehört: Die Ladestation befindet sich an einem alten Sanatorium, der „größten, noch bestehenden Weltkriegsruine eines Profanbaus in Brandenburg“. Sie diente schon oft als Filmkulisse und hat eine ganz besondere Atmosphäre. Das Interessante daran ist, dass die Natur von den Ruinen quasi Besitz ergriffen hat. Auf dem Dach wachsen Bäume, aus den Fenstern Pflanzen. Von dem daran gebauten Baumwipfelpfad erlebt man eine ganz neue Perspektive.

Das passt ja zu unserer Kampagne: Dass man etwas aus einer neuen Perspektive betrachtet. Offen ist für einen anderen Blickwinkel.

Genau: Wegen der Ladestation haben wir dort Halt gemacht und etwas Tolles entdeckt, was wir an der Tankstelle nicht gesehen hätten. Eine geniale Kombination, Ladestationen an solchen besonderen Orten aufzustellen und damit neue Besucher zu erreichen.

Der Zwischenstopp zum Laden führt einen manchmal an besondere Orte; Foto: Robin Geisler

Wie reagieren die Leute, wenn sie dein E-Auto sehen?

Anfang des Jahres, als der Tesla Model 3 noch ganz neu war, bin ich sehr oft angesprochen worden. Ich hatte schon viele nette Kontakte und viele Gespräche. Oder die Leute zeigen mir den „Daumen hoch“, wenn sie den Tesla sehen.

Waren die Reaktionen unterschiedlich, je nach Reiseland?

Das war ganz unterschiedlich. In Skandinavien ist es selbstverständlicher, ein Elektroauto zu sehen. Da wurde ich kaum angesprochen. In Italien hingegen stand schon oft eine ganze Gruppe Interessierter um mein Auto herum. Obwohl mein Italienisch nicht so gut ist, haben wir es geschafft, einige Fragen zu beantworten und vielleicht auch, unsere Begeisterung zu zeigen.

Glaubst du, dass man mutig sein muss, um mit einem E-Auto in den Urlaub zu fahren?

Man muss den Mut haben, alte Gewohnheiten zu hinterfragen und sich auf Neues einlassen können. Dann bringt die E-Mobilität viele Vorteile mit sich!

Meeresrauschen mit Sonnenuntergang vom Tesla aus
Meeresrauschen mit Sonnenuntergang vom Tesla aus; Foto: Robin Geisler

Welches E-Auto möchtest du gerne mal fahren?

Ich habe schon so viele E-Autos ausprobiert. Mit meinem jetzigen Auto bin ich rundum glücklich, freue mich aber auch auf die neuen Modelle, die da noch kommen werden. Zum Beispiel auf das Model Y, den familienfreundlichen 7-Sitzer. Wenn man weiter in die Zukunft denkt, dann bin ich auf ein elektrisches Wohnmobil gespannt, was es noch nicht gibt. Meiner Meinung wäre es perfekt geeignet, um am Campingplatz zu laden. Ein elektrisches Hausboot fände ich toll. Es gibt noch so viele Möglichkeiten, zukünftig seinen Urlaub CO2-sparend zu verbringen.

Wäre das etwas für dich: Urlaub mit E-Bike?

Wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs bin, dann ohne Motor. Aber für manche ist es bestimmt eine schöne Möglichkeit, weitere Strecken zurückzulegen. Ich finde es immer gut, wenn man sich Alternativen zum Verbrenner oder Flugzeug sucht, um in den Urlaub zu fahren. Warum nicht auch einfach wandern?

Haben eigentlich in deinem Freundeskreis viele ein E-Auto? Bei euch ist es doch bestimmt ständig Gesprächsthema!

Gesprächsthema ist es bei uns absolut. Aber das ist es ja auch, wenn man kein Unternehmen hat, das Ladelösungen anbietet. Elektromobilität ist einfach ein brandaktuelles Thema, mit dem sich viele beschäftigen. Aber die Mehrheit meiner Freunde und Bekannten hat noch kein E-Auto. Viele überlegen es sich gerade und warten auf die günstigeren Modelle, die demnächst herauskommen. Da sind dann ja einige auf Tesla-Model-3-Niveau für deutlich unter 50.000 Euro zu haben. Auch Gebrauchtfahrzeuge gibt es immer mehr. Aber bei einem Dienstwagen ist die Entscheidung zum E-Auto nicht mehr schwer.

Was hast du das letzte Mal getankt?

Tanken? Was ist das? Für mich ist das Laden schon so normal, dass für mich das Tanken ungewohnt ist.

Welches Reiseziel wäre für dich eine echte Herausforderung?

Man kann mit dem Elektroauto überall hinfahren, wohin man auch mit einem Verbrenner fährt. Je nach Reiseziel und Ladeinfrastruktur muss man halt mehr oder weniger planen.

Was möchtest du E-Auto-Reisenden mit auf den Weg geben?

  • Mit einem Schnelllader lädt man in der Regel problemlos und hat je nach Fahrzeugmodell nach 30 Minuten ca. 300 km Reichweite.
  • Destination Charging trifft eine schöne Vorauswahl von Unterkünften mit Ladelösung
  • Vorab schon bei der Auswahl der Unterkunft auf die Lademöglichkeit achten und anfragen
  • Im Ausland hat man mehr Reichweite, da man auf den Autobahnen nicht so schnell fahren kann wie in Deutschland, das spart Energie!

Robin, dann wünschen wir dir und deiner Familie einen wunderschönen Urlaub am Meer. Und ohne Motorenlärm kann man auch das Meeresrauschen viel besser hören.

Das Interview führte Britta Kaltenbach (eeMobility GmbH) mit Robin Geisler (Geschäftsführer eeMobility) im August 2019 in München.

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