Herzklopfen beim Taycan

Ein ganz persönlicher Nachbericht von der IAA in Frankfurt. Von Fabian Heck.

Datum:

15.10.2019

Lesezeit:

3 min

Text:

Fabian Heck, Vertrieb, eeMobility

Foto:

eeMobility GmbH
  • Mit Spannung und Vorfreude auf die IAA 2019
  • Ein beherrschendes Thema: E-Mobilität
  • ID.3, Marsrover oder Taycan?

„Proteste vor den Toren“, „Ausgeladener Bürgermeister“, „Untergang der Automobilindustrie“. Das waren die dominierenden Schlagzeilen rund um die diesjährige IAA. Speziell in Zeiten von Fridays for Future und stetig wachsendem Bewusstsein rund um das Thema Nachhaltigkeit wurde die diesjährige IAA von den öffentlichen Augen sehr kritisch beäugt. Und letzten Endes auch kritisch bis vernichtend bewertet. Mein persönliches Bild war ein anderes.

Vorfreude auf die neuen elektrischen Automodelle

Gleich ein Geständnis vorweg: Nach einem Studium der Fahrzeugtechnik und persönlicher Vergangenheit bei einem deutschen OEM war bei mir das dominierende Gefühl im Vorfeld meines ersten Messebesuchs der IAA nur eines – Vorfreude auf die neuen Modelle. Jedoch war ich nicht im Auftrag der etablierten deutschen Autobauer mit Benzin im Blut auf dem Weg gen Frankfurt. Meine Mission lautete anders. Pioneering Smarter Energy.

Ich hatte das Glück, die Messe an den weniger überfüllten Pressetagen zu besuchen. Jene Tage, an denen die wichtigen Manager der wichtigen Autobauer ihre wichtigen Messages aus der Branche an die Weltöffentlichkeit bringen. Die erste große Verkündung erfolgte sogar einen Tag vor Messestart. Am Vorabend des ersten Pressetages vorfolgte ich noch am Bildschirm, wie der Umsatzstärkste unter den Autobauern seinen Masterplan für die Zukunft präsentierte.

Logische Weiterentwicklung: Käfer – Golf – ID.3

Unter großem Tamtam wurde von Volkswagen der rein elektrische und mit Spannung erwartete Hoffnungsträger ID.3 der Weltöffentlichkeit vorgestellt. Kein Supersportwagen mit V12-Motor, keine neue Diesel-Hoffnung und auch kein Wunder-Wasserstofffahrzeug sollte einen Sonderplatz auf der größten deutschen Automobilmesse bekommen, sondern das erste rein elektrisch und für die breiten Massen konzipierte Auto aus dem Hause VW. Auch wurde man nicht müde, den Stellenwert dieses Volksstromers zu betonen: „Käfer – Golf – ID.3“, so die logische Reihenfolge. Ein echtes Pfund noch vor Eröffnung der Messe.

An den Pressetagen selbst hat jeder Autobauer seine eigene Keynote, in der er die Strategie für die Zukunft und die neuen Modelle vorstellte. Meine erste dieser Veranstaltungen sollte die nochmalige Präsentation des ID.3 sein. Als ich auf dem Weg dorthin den Stand von VW überquerte, fiel mir vor allem eines auf: Es war kein einziges Fahrzeug mit Verbrennungsmotor ausgestellt. Selbst Golf und der Up! waren ausschließlich in ihrer elektrifizierten Variante vor Ort. Eingerahmt wurden sie von den Noch-Konzeptfahrzeugen der ID-Familie und den zu diesem Zeitpunkt noch verhüllten zahlreichen Ausstellungsmodellen des ID.3. Auch die Pressekonferenz an diesem Tag sollte sich nur um den neuen Hoffnungsträger drehen. Und um das neue VW-Logo.

Zwischen CEOs und anderen Firmenchefs

Als nächstes erzählte einige Meter weiter Audi-Chef Bram Schot von seinen Plänen mit dem Autobauer. Und auch bei den Ingolstädtern ging es vorrangig um E-Mobilität. Neue E-Prototypen wurden vorgestellt, von denen das Gros auch in Serie gehen soll. Dieser Vortrag gipfelte in einer Studie zu einem Marsrover-anmutenden Geländegefährt. Gut, vermutlich wird der Marsrover nicht in Serie gehen, doch verkam dieser Fakt für mich ebenso zur Randnotitz wie die wohlgemerkt nachfolgend stattfindende Präsentation des RS7.

Überhaupt hatte ich gar keine Zeit, lange zu verweilen, denn als nächstes war Porsche mit seinen Muskelspielchen an der Reihe. CEO Oliver Blume stellte abermals den ersten rein elektrischen Sportwagen aus Zuffenhausen/Weissach einer breiten Öffentlichkeit vor. Weitere Bestandteile in Form von vierrädrigen Muskelprotzen mit konventionellen Motoren – Fehlanzeige. Auch bei Porsche drehte sich alles um E-Mobility, um revolutionäre Ingenieursleistungen, 800 V- Bordnetze und die höchste aktuell verfügbare Ladeleistung in einem Serien-PKW.

Präsentation des Taycans: Alle wollten ihn sehen

Und danach wollten alle IHN sehen, den Taycan. Von ganz nah. Auch ich. Gebannt starrte ich auf das Auto, schritt darum herum, begutachtete die Linienführung – und bemerkte gar nicht, dass ich nicht der einzige war. Alle waren da, vom kompletten Porsche-Vorstand, über den scheidenden VDA-Präsidenten Bernhard Mattes bis hin zu VW-Chef Herbert Diess, neben dem ich mich wiederfand. Alle wollten die wohl spektakulärste Serien-Neuvorstellung der IAA sehen. Was soll ich sagen? Ein Elektrofahrzeug.

„Gebannt starrte ich auf das Auto“

Spätestens an diesem Punkt hatte ich nur noch Augen für jene Fahrzeuge auf der Messe, deren Herz elektrisch schlägt. Und von denen gab es reichlich. Von futuristischen Studien wie einer rein elektrischen Mercedes S-Klasse über das Hyper-Car Battista von Automobili Pininfarina bis hin zum Seat el-Born. Daneben standen die neuen Alltagsflitzer in Form des Mini Cooper SE, dem elektrischen Peugeot 208 und dem Opel Corsa e bereit, welche allesamt nächstes Jahr für den Ottonormalverbraucher zu kaufen sein werden.

Ein Smartphone auf vier Rädern

Ein persönliches Highlight war dabei noch die Vorstellung der Serienversion des Byton M-Byte. Einer tatsächlich neu gedachten Interpretation des Autos, das wirklich eher als ein gigantisches Smartphone auf 4 Rädern daherkommt denn als Auto, inklusive gigantischem durchgehenden Display statt Armaturen. Test-Sitzen konnte ich leider nicht – Der komplette Audi-Vorstand war gerade zugegen – um sich die ein oder andere Inspiration zu holen.

Mein Fazit der diesjährigen IAA fällt also durchaus positiver als die öffentliche Wahrnehmung aus. Ja. Bisher wurde aus deutscher Sicht viel verschlafen, was alternative Antriebstechnologien und speziell E-Mobilität angeht, doch diese IAA macht Hoffnung, dass nun tatsächlich verstanden wurde, auch in Deutschland.