Aus der Fülle – es geht vielmehr darum, uns selbst zu retten

Wenn es um Themen wie den Klimawandel geht, fällt es uns schwer, uns der realen Gefahren bewusst zu werden. Umweltpsychologen gehen der Frage nach, warum das so ist. Und wie jeder von uns dennoch aktiv werden kann.

Datum:

01.06.2021

Lesezeit:

3 min

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eeMobility GmbH

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eeMobility GmbH

Was kann ich als Einzelner oder Einzelne gegen den Klimawandel tun? Haben Sie sich diese Frage schon einmal gestellt? Falls ja, welche Antwort haben Sie sich selbst auf diese Frage gegeben? Für einen Umweltpsychologen wäre Ihre Antwort ein Fest, denn an ihr lässt sich ablesen, wie ausgeprägt Ihre Selbstwirksamkeit ist. Selbstwirksamkeit? Mit diesem Begriff wird in der Psychologie die Überzeugung beschrieben, selbst große Herausforderungen durch aktives Handeln und aus eigener Kraft bewältigen zu können. Brauchen wir für die Bewältigung der Klimakrise also einfach nur ein bisschen mehr Tschakka-Mentalität? Leider nein, denn ausgerechnet der Klimawandel macht es uns nicht leicht, ihn überhaupt als Problem anzuerkennen.

Wenn wir uns in ein Flugzeug setzen und in den Urlaub fliegen, landen wir meist an Orten mit glasklarem Meerwasser oder einer faszinierenden Flora und Fauna, wie es sie bei uns zuhause gar nicht gibt. Wie kann es sein, dass unsere Reise in die Paradiese dieser Welt dazu beitragen soll, ebendiese Paradiese zu zerstören? Die zeitliche Dimension des Klimawandels macht es extrem schwer, ihn als Gefahr zu begreifen.

Schaut man auf die Corona-Pandemie, war es ganz ähnlich. Hand aufs Herz, wenn auch Sie im Januar 2020 erst einmal kurz gedacht haben, dass die Panikmache wegen einer etwas stärkeren Grippe in China doch etwas übertrieben sei. Erst als Corona uns räumlich tatsächlich näherkam, konnten wir das Problem wirklich erkennen und begreifen. Und unser Verhalten entsprechend anpassen.

Die Umweltpsychologin Prof. Dr. Ellen Matthies brachte im Interview mit dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung unser Dilemma wie folgt auf den Punkt: „Menschen sind kognitive Geizkragen, wie wir Psychologen sagen. Das heißt, sie ersparen sich gern den Aufwand, über etwas tiefgründig nachzudenken und zu entscheiden. Menschen handeln nach Routinen – so, wie sie es schon immer gemacht haben. Sie haben auch eine ausgeprägte Verlust-Aversion. Das heißt: Was sie potenziell verlieren könnten, ist ihnen sehr viel wichtiger als das, was sie potenziell gewinnen könnten. Insofern haben es Menschen schwer, sich zu verändern.“ Wir reagieren, statt zu agieren.

Das weiß auch der Berliner Umweltpsychologe Prof. Gerhard Reese, zumal wir Menschen dazu neigen, eine falsche Vorstellung von Balance zu entwickeln. Schuld daran ist unser sogenanntes moralisches Konto. Durch moralisch gute Taten, wie etwa die Fahrt mit dem Fahrrad ins Büro oder die drei Veggie Days unter der Woche, wird es gefüllt. Erreicht der Kontostand jedoch gewisse Höhen, neigen wir dazu, uns auch mal etwas zu gönnen, und heben dafür den einen oder anderen Betrag von unserem moralischen Konto ab. Dann geht es eben doch wieder mit dem Flugzeug in den Urlaub oder es landen Fleischberge auf dem Grill. Das Problem an diesem Prozess: Das System ändert sich nicht. Unsere Mobilität nicht, unsere Landwirtschaft nicht, unsere Industrie nicht und auch nicht die Art, wie wir Energie erzeugen oder verbrauchen. Doch genau diesen Systemwandel brauchen wir, um die Sache eines Tages ohne Cheat Day durchziehen zu können. Nur: Wie könnte dieser Systemwandel aussehen? Beziehungsweise, worauf kann und sollte er aufbauen?

Spoiler: Der nötige Systemwandel lebt nicht von Verboten, es ist kein ideologischer und auch kein politischer, sondern ein ganz natürlicher. Wenn es um die Besonderheit von uns Menschen geht, kommt die Rede meist sehr schnell auf unsere menschengemachten Kulturleistungen. „Kultur“, so wird sie noch immer nicht nur bei Wikipedia definiert, „bezeichnet im weitesten Sinne alles, was der Mensch selbst gestaltend hervorbringt – im Unterschied zu der von ihm nicht geschaffenen und nicht veränderten Natur“. Was für eine Hybris: der Mensch – im Unterschied zur Natur.

Wenn uns die Corona-Pandemie vielleicht eines gelehrt haben könnte, dann ist es die Tatsache, dass unsere Grenzziehung zwischen Natur und Kultur überholt ist. Zwar haben wir Menschen in den vergangenen 200 Jahren der Natur eine Vielzahl an Geheimnissen abgerungen und unglaubliche Dinge erschaffen. Aber dennoch stehen wir Menschen räumlich nicht neben, und schon gar nicht über der Natur. Wir beherrschen die Natur nicht. Wir und unsere kreativen Fähigkeiten sind Teil der Natur. Wir sind abhängig von ihr. Und so sollten wir uns der Natur in Zukunft auch wieder nähern. Ein wichtiger Anfang dabei könnte es übrigens sein, die vor uns liegenden Aufgaben ein wenig klarer zu benennen. Es geht nämlich gar nicht nur darum, wie oft diskutiert wird, die (Um-)Welt zu retten. Es geht vielmehr darum, uns selbst zu retten.

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