Mit dem Tesla Model 3 von Düsseldorf nach München

Ich habe noch nie vorher ein Elektroauto selbst gefahren, bin nur mitgefahren, und wollte einfach mal testen, ob es stimmt, was man teilweise so liest.

Datum:

23.05.2019

Lesezeit:

7 min

Text:

Britta Kaltenbach

Foto:

Stefan Reins für eeMobility GmbH
  • Ich wollte sehen, ob es schwierig ist, weitere Strecken elektrisch zu fahren, wie die Ladeinfrastruktur ausgebaut ist und wie die verschiedenen Ladesäulen überhaupt funktionieren
  • 633 km nach München gefahren. Zum Laden habe ich die eeMobility-App verwendet und hatte als Backup die Ladekarte von eeMobility
  • Das Laden selbst ist eigentlich ganz einfach, wenn man allerdings weiß, wie es funktioniert

Stefan Reins machte sich mit einem nagelneuen Tesla Model 3 auf den Weg von Düsseldorf nach München, ohne jemals zuvor ein Elektroauto selbst gefahren zu haben. Wie es dazu kam? Firmengründer von eeMobility, Robin Geisler und Klaus Huber, bestellten im Januar 2019 den neuen Tesla Model 3 als Firmenwagen. Nur 6 Wochen später stand der Neuwagen in Düsseldorf abholbereit. Stefan Reins, zuständig für das Business Development bei Statkraft (seit Dezember 2018 Investor bei eeMobility), bot sofort an, den Wagen nach München zu bringen.

Stefan, was hat dich daran gereizt, den Tesla nach München zu fahren?

Ich habe noch nie vorher ein Elektroauto selbst gefahren, bin nur mitgefahren, und wollte einfach mal testen, ob es stimmt, was man teilweise so liest – aus Privatinteresse, aber auch, weil ich mich beruflich damit beschäftige: Ich wollte sehen, ob es schwierig ist, weitere Strecken elektrisch zu fahren, wie die Ladeinfrastruktur ausgebaut ist und wie die verschiedenen Ladesäulen überhaupt funktionieren. Außerdem wollte ich gerne mal den neuen Tesla Model 3 fahren!

Deine Erwartungen waren also eher niedrig und du hast dich darauf eingestellt, dass es schwierig wird?

Ja, ganz ehrlich: Ich dachte, das klappt alles nicht. Ich habe damit gerechnet, dass das Laden oft problematisch ist oder dass es keine Lademöglichkeit gibt, wenn ich sie brauche.

Was war dein Ziel bei diesem Praxistest?

Ich wollte zum einen natürlich den neuen Tesla ausprobieren, wie sich das Auto überhaupt fährt auf verschiedenen Straßen, im Stadtverkehr und auf der Autobahn. Er wurde ja im März mit Spannung erwartet und alle redeten darüber. Zum anderen wollte ich das Laden testen: an möglichst vielen verschiedenen Säulen bei möglichst vielen verschiedenen Anbietern. Ich bin bei Statkraft im Business Development für E-Mobilität in Deutschland zuständig und wollte mal meine eigene Erfahrung machen.

Da sind wir gespannt, was dein Fazit ist. Vorher möchte ich aber gerne wissen: Da unsere Kampagne dieses Jahr um das Thema „Mut“ geht (#mutigzukunftdenken), bist du denn generell eher ein mutiger Mensch?

Ich probiere gerne neue Sachen aus, die ich nicht kenne, also eher ja.

Was war das Mutigste, was du bisher gemacht hast?

Spontan fällt mir eine Kilimandscharo-Bergbesteigung ohne jegliche Höhenerfahrung ein. Mein persönlicher Höhenrekord wurde schon auf Anreise zum Berg aufgestellt (das war eher bekloppt als mutig). Ein anderes Beispiel: Ich bin zwei Wochen mit dem Rucksack durch den Iran gereist ohne Sprachkenntnisse. Das war allerdings eher sehr spannend und interessant als mutig.

Okay, das würde ich auch schon als ziemlich mutig bezeichnen. Und es bestätigt mal wieder, dass man sich für Vieles, was einen reizt, zwar erstmal überwinden muss. Das Gefühl danach aber ist oft: Herzklopfen, Erleichterung, Stolz. Aber dazu später. Jetzt wollen wir erstmal Fakten!

Ich habe den Tesla Model 3 am 1. März 2019 als eines der ersten Modelle in Deutschland am Car-Terminal im Neusser Hafen abgeholt. Ich habe das Auto während des Karnevals am Wochenende in und um Düsseldorf getestet und an 16 öffentlichen Ladestationen „getankt“. Anschließend bin ich am Dienstag insgesamt 633 km nach München gefahren. Zum Laden habe ich die eeMobility-App verwendet und hatte als Backup die Ladekarte von eeMobility.

„Herzklopfen, Erleichterung, Stolz“

Hast du eine Einweisung als E-Neuling bekommen?

Ich habe vorher kurz bei Robin Geisler und Klaus Huber nachgefragt, was es zu beachten gibt. Robin ist selbst ja schon über 180.000 elektrische Kilometer gefahren, also wenn jemand viel praktische Erfahrung hat, dann er. Natürlich gab es auch eine kleine Einweisung von einem Tesla-Mitarbeiter bei der Abholung.

Wie war der Akkustand bei der Übergabe? Und wie verlief der erste Ladevorgang?

Etwa 70 % war der Stand bei der Abholung, sodass ich direkt durchstarten konnte. Das Laden selbst ist eigentlich ganz einfach, wenn man allerdings weiß, wie es funktioniert. Man entsperrt die Ladesäule, indem man mit der App den QR-Code, der an der Säule steht, einscannt. Oder man wählt die Nummer aus, die an der Säule angegeben ist. Wie gesagt, wenn man weiß, wie es funktioniert …

Wieso, was ist passiert?

Beim ersten Laden war ich direkt überfordert. Das muss man wissen, passiert dir aber nur einmal: Nach dem Laden muss man nämlich den Ladestecker der Ladesäule entriegeln. Dafür gibt es auf dem Display ein Entriegelungsknopf in Form eines Schlosses. Der entriegelt den Ladestecker und man kann diesen dann aus dem Auto ziehen. Aus Sicherheitsgründen kann man das Kabel aber nicht einfach so abziehen. Nachdem ich mit der Hotline der Ladesäule und mit der Mitarbeiterin von Tesla gesprochen hatte, war mir klar, wie es funktionierte. Den Tesla-Support gab es in meinem Fall übrigens nur auf Englisch. Das finde ich persönlich für den deutschen Markt mutig!

An dem Auto ist hinten ein Schloss. Das muss man erstmal entriegeln, bevor man den Stecker abziehen kann.

Gab es etwas, das dich in puncto Laden überrascht hat?

Was mich etwas verunsichert hat, ist, dass die Ladeleistung an den Ladesäulen stark variiert hat. Wenn man zum Beispiel an einer 50-kW-Säule steht, heißt es nicht, dass auch durchgehend 50 KW geladen werden. Robin sagte mir aber später, dass das ganz normal sei und mit der Ladekurve der Autos zusammenhängt.

Was ich toll fand, war, dass man an manchen Säulen umsonst laden konnte und allgemein die Ladevorgänge sehr gut funktioniert haben. Wenn ich ehrlich bin, hat es mich überrascht, dass es keine großen Probleme gab. Entweder hatte ich Glück oder es ist tatsächlich nicht mehr so „abenteuerlich“, wie man manchmal hört.

Und von der Ladezeit?

Was mir vorher nicht so im Detail klar war: das Thema mit der Ladekurve. Je niedriger der Akkustand ist, desto schneller lädt das Auto. Wenn die Batterie also fast leer ist, geht es schnell und wenn man noch viel Strom hat, lädt es langsamer. Man kann also einmal 70 Minuten an einer Ladesäule stehen oder zweimal 20 Minuten, um dieselbe Menge an Strom zu bekommen.

Hattest du denn manchmal Angst stehenzubleiben?

Etwas nervös wurde ich schon, als der Akku bei Wertheim noch 9 % anzeigte, da habe ich sofort den nächsten Tesla-Supercharger gesucht. Anscheinend kann man da aber noch, je nach Fahrstil 30-40 km fahren. Mir wurde gesagt, dass man das später für sein Auto im Gefühl hat, wie ja auch beim Benzinstand im Verbrenner.

„Dann ist es sehr leise und ruhig“

Du meinst, so besonders mutig muss man gar nicht sein? Wie würdest du denn das Fahrgefühl beim Fahren eines Elektroautos beschreiben?

Das Fahrgefühl ist natürlich toll! Die Beschleunigung ist immens, man hat sofortige Leistung ohne Verzögerung durch das Getriebe. Das Gaspedal spricht sofort an, dadurch fährt man sehr „smooth“ im fließenden Verkehr, sehr angenehm. Dann ist es sehr leise und ruhig, was gerade auf einer langen Autofahrt fast schon beruhigend ist. Am besten gefällt mir jedoch der Tesla auf der Landstraße. Der tiefe Schwerpunkt des Autos gepaart mit der Beschleunigung sind schon sensationell.

Und von der Innenausstattung?

Im Auto ist ja alles ultramodern und fast schon futuristisch mit Touchpad usw. Das variiert natürlich bei unterschiedlichen Typen, je nach Ausstattung. Der Tesla Model 3 ist schon ganz komfortabel, allerdings auch deutlich spartanischer als der Model S.

Gab es sonst besondere Momente?

Auf jeden Fall! Wie gesagt, wurde der Tesla Model 3 im März ja ganz gespannt erwartet. Trotzdem war ich echt überrascht, wie extrem die Leute darauf reagieren! Ich wurde auf der Autobahn sogar von einer Familie gefilmt, mir wurde ständig zugewunken. Beim Parken oder Laden wurde ich sehr oft angesprochen. Diejenigen, die noch keine Berührung mit Elektromobilität hatten, haben viele Fragen gestellt, es kamen dabei unheimlich nette Gespräche zustande. Viele fragten auch, ob sie ein Foto machen könnten oder ob Sie sich mal reinsetzen dürften. Mit anderen E-Fahrern tauscht man sich sowieso sofort aus. Es ist eine richtige Community. Man fühlt sich dadurch natürlich schon etwas besonders.

Zwischenstopp im Neandertal bei Mettmann mit Hinweis zur Geschwindigkeitsbegrenzung auf Bayrisch.

Hast du nette Leute kennengelernt?

Absolut! An einem 50-KW-Charger bei Mettmann, am Testwochenende, hatte ich ein nettes Gespräch mit dem Fahrer eines Tesla Model S, der sich „meinen“ Tesla einmal von innen anschauen wollte. Er war überrascht, wie viel wertiger seine Ausstattung ist, aber den Innenraum hatte er sich kleiner vorgestellt. Aber allgemein: Entweder zeigt sich, dass Elektroautofahrer offener sind und dadurch auch offen für Neues oder es liegt an der speziellen Verbundenheit, die entsteht. Aber da müsste man mal eine Studie anstellen.

Und jetzt zu deinem Fazit, Stefan. Was ziehst du aus deinem Praxistest?

Mein Fazit ist:

  • Das Laden mit der eeMobilityApp hat sehr gut geklappt
  • Die Ladeleistung ist stark abhängig vom Batteriestand und variiert dementsprechend
  • Die Ladesäulen sind an sehr guten Plätzen installiert, z.B. Bahnhof
  • Es entstehen nette Gespräche mit E-Fahrern oder Interessierten
  • Es macht riesigen Spaß, ein Elektroauto zu fahren

Auf einer Skala von 1-10 (1=sehr mutig, 10= gar nicht mutig): Wie viel Mut braucht man, um eine längere Fahrt mit einem E-Auto zu machen, wenn man vorher noch nie eines gefahren hat?

In meinen Augen ist E-Auto fahren mittlerweile alltagsfähig. Mutig muss man nicht sein, allerdings muss man sich etwas umstellen. Daher 9!

Stefan, herzlichen Dank für das Gespräch. Also tatsächlich: Herzklopfen, Erleichterung, Stolz. Es hört sich alles nach einem Gegentest an! Vielleicht von München nach Oslo?

Oder direkt zum Nordkap? Hört sich spannend an!

Tesla Model 3 versus Tesla Model S: nette Gespräche beim Laden. Hier am Hauptbahnhof in Düsseldorf.

Das Interview führte Britta Kaltenbach (eeMobility GmbH) mit Stefan Reins (Statkraft Markets GmbH) im März 2019 in München. Die Testfahrt fand am 5. März 2019 statt. Vielen Dank an Statkraft für die freundliche Unterstützung.

eeMobility ist ein führender Anbieter von innovativen Mobilitätslösungen als Komplettangebot für das CO2-freie Laden von Elektrofahrzeugen, wie Dienstflotten und Elektrobussen. Mit den Leistungen des Unternehmens soll die Umstellung auf Elektromobilität vereinfacht werden, denn eeMobility übernimmt den gesamten Prozess, wie Installation der Wallbox und Ladesäulen, Abrechnung und Stromversorgung mit Ökostrom. Derzeit sind fast 50 Mitarbeiter am Münchner Standort beschäftigt. Zahlreiche große Referenzkunden nutzen das Angebot für mehr als 1.000 Fahrzeuge.

Seit Dezember 2018 ist Statkraft, Europas größter Erzeuger erneuerbarer Energie, an der eeMobility GmbH beteiligt. Statkraft verfügt über langjährige Erfahrung in der Elektromobilität in Norwegen, das weltweit über den höchsten Marktanteil bei Elektrofahrzeugen verfügt. Der norwegische Staatskonzern möchte diese Erfahrungen auch in andere europäische Länder einbringen in Zusammenarbeit mit führenden Startups, die Statkraft bei der Skalierung ihres Geschäfts unterstützen kann.