Greta Thunberg – Eine Stimme für die Zukunft

War es denn wirklich einfach? So friedlich und leise es begann, so unglaublich ist der Verlauf dieses Streiks.

Datum:

23.05.2019

Lesezeit:

3 min

Text:

Britta Kaltenbach

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Unsplash.com
  • Unser aller Handeln ist gefragt. Und zwar jetzt
  • Fortsetzung der Demonstration seit September 2018 mit dem Hashtag #FridaysForFuture
  • Die Bewegung „Scientists for future“ unterstreicht die Dringlichkeit auf wissenschaftlicher Basis

Wie schaffte es die 16-jährige Greta Thunberg, die Diskussion um den Klimaschutz mit beispielloser Entschlossenheit anzuheizen? Wer zieht mit? Zunächst Kinder und Jugendliche, die mit den Demonstrationen „Fridays for future“ darauf aufmerksam machen, dass ihre Zukunft auf dem Spiel steht. Unser aller Handeln ist gefragt. Und zwar jetzt.

Volle Aufmerksamkeit für dieses Thema

Die schwedische Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg wirkt ruhig. Doch der feste Blick der 16-Jährigen zeigt unmissverständlich, dass sie keine Kompromisse zulässt, wenn es um den Schutz unser Umwelt geht. Seit sie im Alter von acht Jahren erfuhr, dass die Klimaerwärmung menschengemacht ist, gilt ihre volle Aufmerksamkeit diesem Thema. Sie sammelt alle Fakten und Lösungsvorschläge auf wissenschaftlicher Basis. Fest entschlossen, nicht weiter tatenlos zuzusehen, begann Thunberg am 20. August 2018 während des Schulunterrichts für den Klimaschutz zu protestieren. Sie zeigte einfach ein Schild, auf dem stand „Skolstrejk för klimatet“ (Schulstreik fürs Klima).

Erste Demonstration in Stockholm

War es denn wirklich einfach? So friedlich und leise es begann, so unglaublich ist der Verlauf dieses Streiks. Denn die Jugendliche setzte ihre Demonstration seit September 2018 jeden Freitag fort, wobei sie den Hashtag #FridaysForFuture verwendete. Nach und nach schlossen sich ihr immer mehr Jugendliche an. Und das in zahlreichen Ländern Europas und weltweit.

„#FridaysForFuture“

Eine Million Anhänger demonstrieren für den Klimaschutz

Es scheint, als hätten die vielen Kinder und Jugendlichen nicht nur eine Stimme gefunden, sondern eine Ausdrucksform, in der sie sich selbst organisieren können: Demonstrationen, Verbreitung weltweit über Messenger, Social-Media-Kanäle und Plakate. Am 15. März dieses Jahres fand dann der erste „Global Climate Strike For Future“ statt, einem internationalen Schülerstreik zur Rettung unserer Erde mit etwa einer Million Teilnehmern. Der nächste Streik ist für den 27. September 2019 als Generalstreik (Earth Strike) angesetzt. Einfach ist das nicht. Es erfordert Mut, denn nicht überall stößt das Fernbleiben der Schule auf Verständnis.

Was sind die Ziele der FFF-Bewegung?

Die Demonstranten argumentieren, das Fernbleiben in der Schule bedeute wenig angesichts der zu erwartenden Klimakatastrophe. Die Kernforderung laut eigener FFF-Homepage ist: „Handelt endlich – damit wir eine Zukunft haben!“ In erster Linie sollen die Ziele des Pariser Abkommens und das 1,5°C-Ziel (die Erderwärmung um 1,5 Grad betreffend) erreicht werden. Für Deutschland wird gefordert: Nettonull im Jahr 2035 (in Deutschland darf demnach nur die Menge an Treibhausgasen ausgestoßen werden, die durch natürliche Prozesse wie das Wachstum von Pflanzen wieder aufgenommen werden kann), Kohleausstieg bis 2030 und 100% erneuerbare Energieversorgung bis 2035.

Reaktionen in der Politik und Wissenschaft

Die Forderungen richten sich an uns alle, verantwortungsvoller mit unserer Umwelt umzugehen. Und sie zeigen die Dringlichkeit. Denn unsere Klimaschutzziele, die im Pariser Abkommen 2015 unterzeichnet wurden, sind ambitioniert, die Zeit drängt. Die Folgen der Erderwärmung spüren wir schließlich schon jetzt. Schmelzen der Gletscher, Überschwemmungen und Dürrekatastrophen sind nur einige Beispiele. Dass das keine „Verschwörungstheorie“ ist, sondern wissenschaftlich erwiesen, unterstreicht die Bewegung „Scientists for future“. Ein Mitbegründer, um die Seriosität zu unterstreichen, ist Volker Quaschning, renommierter Professor für regenerative Energiesysteme in Berlin.

Wie ist die mediale Resonanz?

Greta Thunberg ist innerhalb kurzer Zeit zu großer Bekanntheit gelangt. Die Zeitschrift „Time“ zählte sie zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten des Jahres 2019. Als Kämpferin für die Senkung der Treibhausgasemissionen sprach sie im Dezember 2018 auf der UN-Klimakonferenz in Katowice, im Januar 2019 auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, zeigte dem Papst Anfang April das Plakat mit der Aufschrift „Join the climate strike“ und später sprach sie vor dem britischen Parlament, um nur einige öffentliche Auftritte zu nennen.

Wie schafft es Greta Thunberg, gehört zu werden?

Wie schafft Greta Thunberg, andere in dieser Form mitzureißen? Sie spricht erstens ein Thema an, wovon die Jugendlichen direkt betroffen sind und womit sie sich auseinandersetzen. Zweitens haben sie mit Greta  eine Anführerin gefunden, die sich friedlich, aber klar für ihre Ziele einsetzt. Sie scheint vielen Jugendlichen authentisch zu sein. Die Jugendliche hat das Asperger-Syndrom, was nach eigener Aussage zur Folge hat, dass sie sich auf bestimmte Themen mehr fokussieren kann als andere. Sie kenne nur „schwarz“ oder „weiß“. Ohne Floskeln, Schmeicheleien oder Höflichkeitsgeplänkel. Zudem könne sie nicht lügen und sage deutlich ihre Meinung, ungeachtet der Folgen. Sie selbst hält strikt ein, wofür sie kämpft. Um den CO2-Ausstoß zu vermeiden, reist sie beispielsweise selbst lange Strecken nur mit der Bahn oder mit dem Elektroauto. Die Zeit war mehr als reif für eine Greta Thunberg. Denn sie drängt.

„Einige Leute sagen, dass ich studieren sollte, um Klimawissenschaftlerin zu werden, damit ich ‚die Klimakrise lösen‘ kann. Aber die Klimakrise ist bereits gelöst. Wir haben bereits alle Fakten und Lösungen. Alles, was wir tun müssen, ist, aufzuwachen und uns zu verändern.“

– Greta Thunberg: Rede bei der “Declaration of Rebellion” in London 31. Oktober 2018