Die neuen E-Modelle: Wir beleuchten die Trends

Wie wird sich nach 2019 das Bild auf unseren Straßen darstellen? Und können die Deutschen mithalten? Gentlemen und Gentlewomen start your engines; das Rennen ist eröffnet!

Datum:

23.05.2019

Lesezeit:

4 min

Text:

Fabian Heck

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unsplash.com
  • Eine besser ausgebaute Ladeinfrastruktur, ein immer größeres Angebot an Fördermitteln und – eine wirklich große Anzahl neuer und überzeugender Modelle
  • Derzeit steht ein ganzer Blumenstrauß an Förderungen zur Beschaffung von Elektrofahrzeugen
  • Porsche hat schon vor der Präsentation des Modells die geplanten Produktionskapazitäten für den Taycan verdoppelt

Seit Jahren wird er von Experten und Fans der Branche aufs Neue erwartet – der wirklich endgültige Durchbruch der Mobilität mit elektrisch angetriebenen PKW! 2019 könnte eben dieses Jahr werden. Eine besser ausgebaute Ladeinfrastruktur, ein immer größeres Angebot an Fördermitteln und – eine wirklich große Anzahl neuer und überzeugender Modelle. Wir beleuchten die neuen Trends und sind uns einig: Den Kritikern der Elektromobilität gehen langsam die – bisher leider teilweise berechtigten – Argumente aus.

Es tut sich was

Wer auf den endgültigen Durchbruch der Elektromobilität wartete, musste sich bisher immer wieder aufs Neue gedulden und auf das nächste Jahr hoffen. 2019 stehen die Chancen nun jedoch so gut wie nie zuvor! Der oftmals bemängelte Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastuktur schreitet mit schnellen Schritten voran. In Europa haben allein die Niederlande mehr öffentliche Ladestationen als Deutschland.

Die Ladeleistungen und vor allem auch Batteriekapazitäten der Fahrzeuge steigen langsam, aber stetig. Daher dürfte vielen Kritikern auch die Ausrede von „zu langer Ladezeit und zu geringer Reichweite“ bald ausgehen. Darüber hinaus steht zurzeit ein ganzer Blumenstrauß an Förderungen zur Beschaffung von Elektrofahrzeugen – sowie PKW als auch Nutzfahrzeuge werden gefördert – und vor allem auch zur Planung und Beschaffung von Ladeinfrastruktur zum Abruf bereit.

Das Wichtigste für den Durchbruch der Elektromobilität, und auch hier werden sich alle einig sein, ist allerdings das große Modellangebot. Auch wenn für uns relativ unbekannte chinesische Autobauer schon jetzt in ihrem Heimatmarkt zehntausendfach E-Fahrzeuge absetzen, für den deutschen Autokäufer sind und bleiben die einheimischen Autobauer hochgradig relevant für eine Kaufentscheidung. Diese besagten Player legen in diesem Jahr nun endlich nach und blasen zur Aufholjagd auf Tesla – und auch die teilweise schon vorauseilende europäische Konkurrenz.

e-tron, EQC und Taycan sind noch lange nicht das Ende der Fahnenstange

Die Bayrischen Motorenwerke, die lange Zeit als Vorreiter für Fahrzeuge mit elektrifiziertem Antrieb galten, gefallen vor allem durch Beständigkeit und stetiger Weiterentwicklung der technischen Merkmale des elektrischen Flagschiffs i3. Seit Markteinführung hat sich die Batteriekapazität sogar verdoppelt, was über die Jahre auch die Option eines mit fossilen Brennstoffen angetriebenen Range Extenders obsolet gemacht hat. Darüber hinaus soll Ende des Jahres der elektrifizierte Bruder des X3 sein Debüt feiern.

„Start your engines“

Mercedes und Audi haben in Form des EQC und des e-tron 55 ihre Modelle bereits vorgestellt. Audi hat schon mit der Auslieferung seiner Fahrzeuge begonnen und gefällt durch diverse technische „Schmankerl“ sowie das zeitlose Audi-Design mit neuen Einflüssen. Bei Porsche ist bisher nur der offizielle Name „Taycan“ publik sowie die Eindrücke des als Studie präsentierten „Mission E“, der als Vorlage für das im Spätjahr 2019 erscheinende Serienmodell dient. Mit diesen Modellen wird, und auch das ist unbestreitbar, der Premiummarkt bedient. Für die besagten Modelle muss der Endkunde 70.000 € aufwärts in der Budgetplanung berücksichtigen – für die Basismodelle wohlgemerkt. Dennoch bleibt festzuhalten, dass sich endlich etwas bewegt auf dem heimischen Markt!

Die Nachfrage steigt

Für den kleineren Geldbeutel hat VW mit 25.000 € pro Fahrzeug einen Kampfpreis für seinen elektrischen designierten Golf-Nachfolger, der wohl die Bezeichnung ID.3 tragen soll, ausgerufen. Dieser soll ab Ende 2019 das Feld von hinten aufrollen. Auch mit ihren Submarken wollen die deutschen Hersteller in diesem Jahr durchstarten. So erhält der elektrische Smart eine Frischzellenkur, der Mini E wird für die BMW-Tochter an den Start gehen und der VW-Konzern wartet mit dem Skoda e-Citigo mit einem weiteren elektrischen Modell auf. Von den besagten Modellen sind der e-tron, der EQC wie der Smart bereits ausverkauft, was neben der Nachfrage jedoch sicherlich ebenfalls an begrenzten Produktions- und Versorgungskapazitäten liegt. Apropos Nachfrage: Porsche hat schon vor der Präsentation des Modells die geplanten Produktionskapazitäten für den Taycan verdoppelt. Im Vorreiterland Norwegen ist allein der Andrang auf den Elektroporsche sechsfach so hoch wie der jährliche 911er-Absatz.

Die Konkurrenz schläft nicht

Neben den deutschen OEMs planen auch die Wettbewerber fast schon ein Modellfeuerwerk zum Abschluss dieses Jahrzehnts. Mit dem Opel Corsa E erhält ein hierzulande alter Bekannter ein elektrisches Gesicht. Citroen, Peugeot und DS gehen allesamt mit neuen Modellen für den PSA-Konzern an den Start. Daneben geht Volvo in Form des XC4 weitere Schritte auf dem Weg hin zur rein elektrischen Marke. Mit dem Renault Zoe erhält ein Pionier der Elektromobilität einen Nachfolger. Wo wir gerade bei Pionieren sind – auch der Nissan Leaf, seines Zeichens meistverkauftes Elektrofahrzeug der Welt – geht in diesem Jahr in neuem Gewand an den Start, überhäuft mit Vorschusslorbeeren, besonders wegen des größeren Akkus.

Aus Südkorea stehen in Form des Kia E-Niro, der in bisherigen Tests sehr zu gefallen wusste, und des Hyundai Ioniq vielversprechende Modelle bereit. Neben den etablierten Größen schicken sich neue Hersteller an, den elektrischen Fahrzeugmarkt zu erobern. Gespannt wird die Premiere des Aachener e.Go-Life erwartet. Aus München möchte Sono Motors 260.000 seines Sion verkaufen: mit Solarzellen zur Erhöhung der Reichweite ausgestattet. Und: Wird der Microlino der neue Klassiker und somit Nachfolger der ikonischen Isetta von BMW?

Tesla bleibt Gradmesser

Was bleibt, ist der Eindruck, dass 2019 das Jahr werden könnte, in dem auch endlich die deutschen Hersteller in geschlossenen Reihen sprichwörtlich „abliefern“ können und auch werden. Ebenso bleibt die Feststellung, dass es nach wie vor die Pioniere von Tesla sind, die aktuell (noch) auf dem Elektro-Olymp thronen. Das Model 3 hat 2018 trotz Schwierigkeiten in der „Production Hell“ und anschließend in der „Delivery Hell“ den Nissan Leaf als meistverkauftes Elektroauto weltweit abgelöst. Die Auslieferung in Deutschland hat gerade begonnen, auch eeMobility kann schon den ersten von zukünftig drei Model 3 in der Flotte, sein Eigen nennen. 1.000 neue Fahrzeuge pro Woche sollen künftig auf Deutschlands Straßen kommen. Noch spannender wird es hier, wenn Tesla auch beginnt, das Niedrigpreis-Derivat auszuliefern.

Wie wird sich nach 2019 das Bild auf unseren Straßen darstellen? Und können die Deutschen mithalten? Gentlemen und Gentlewomen start your engines; das Rennen ist eröffnet! PS: Und wir haben noch nicht einmal über Hybride gesprochen …